Liveview-Knipser oder Warum ich Konferenzen mag

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Ich mag es, auf Konferenzen zu fotografieren. Natürlich gibt es auch dort Fixpunkte wie Redner und Pressefotos, aber letztendlich bewegt man sich wesentlich freier als vergleichsweise bei einer Hochzeit. Und der Moment, wo dort  der Ring angesteckt wird, ist rasch vorbei – einen Keynote-Speaker findet man über einen längeren Zeitraum am Rednerpult und man hat mehrere Chancen, ihn in einer guten Pose zu erwischen.

Was ich aber wirklich an Konferenzen mag, sind die Momente zwischen den Vorträgen, wo es darum geht, ein wenig von der Stimmung drumherum einzufangen. Dabei ist es fast ein wenig wie in der Naturfotografie: die richtigen Plätze finden und den richtigen Moment. Unauffällig sein, lauern und  Geduld haben. Und wenn der Zeitpunkt gekommen ist, das Foto machen. Die stimmungsvollsten Aufnahmen passieren dabei natürlich, wenn der Fotograf im Hintergrund bleibt und nicht wahrgenommen wird. Dazu später noch die Story zum Titelfoto, das eines meiner liebsten ist. Nicht weil es das Außergewöhnlichste dieser drei Tage ist, aber einfach aus dem Grund, wie es entstanden ist.

Zuerst aber vielleicht noch ein paar Worte, welche Objektive ich bei einer Konferenz verwende. Normalerweise setze ich bei Shootings ja am liebsten auf lichtstarke Festbrennweiten, aber in Reportage-Situationen bin ich doch gerne ein wenig flexibler:

  • ein Standardzoom 24-70/28-75mm, halbwegs lichtstark (f2.8)
    als Allrounder und wenn es in den Vortragsräumen etwas weitwinkliger sein soll
  • mein geliebtes 135mm f2.0
    in dem Fall am Vollformat am liebsten mit 1.4x-Telekonverter, um die angesprochene Distanz zu wahren; Kollegen verwenden hier auch gerne ein 70-200mm oder das 200mm f2.0; bei der Telekonverterlösung schätze ich, dass ich so ohne viel Zusatzgepäck zwei Linsen auf einmal habe (nützlich für Mitabeiterportraits, die zwischendrin entstanden, wo ich auf die unverfälschte Qualität des 135ers zurückgreifen konnte)
  • ein 50mm
    dieses benutzte ich vor allem für gestellte Pressefotos mit einer oder mehreren Personen oder auch in Vortragssituationen, wenn ich den Redner mit Publikum ablichten wollte

Mit diesen drei Objektiven komme ich mit einer relativ kleinen Tasche aus und kann mich rasch und flexibel am Ort des Geschehens bewegen. Blitz versuche ich so weit als möglich zu vermeiden. Die Bühnen sind ohnehin gut ausgeleuchtet und wenn man unauffällig sein will, ist Geblitze nicht unbedingt von Vorteil. Der Kunde dankt es einem. Einzig und allein bei den gestellten Presse- bzw. Portraitfotos kam der Blitz (wenn nötig) zum Einsatz. Oft sorgte auch eine große Fensterfront für ausreichendes und angenehm weiches Licht.

Das angesprochene Titelfoto entstand während einer Kaffeepause. Der junge Mann setzte sich mir gegenüber an den Nebentisch und klappte seinen Laptop auf. Ich mochte das Motiv vom ersten Moment an: das „Model“ war hip, farbig war alles stimmig Ton in Ton und die bunten Aufkleber setzten ein paar Akzente. Die Tasche im Vordergrund stört(e) mich ein wenig, aber wenn ich versucht hätte, das ganze in Szene zu setzen, wäre die Natürlichkeit flöten gegangen. Ebenso wenn ich meine Kamera hochgerissen und ans Auge gehalten hätte. Vermutlich hätte er mir noch freundlich zugenickt, aber dann wäre es ein gestelltes und vermutlich verkrampfteres Foto geworden.

Ich saß also da, hatte ein Bein über das andere geschlagen. Zog dann die auf den Tisch abgelegte Kamera vorsichtig zu mir und legte sie mir auf mein Knie. Nahm einen Schluck Kaffee. Tarnen und täuschen – wie in der freien Wildbahn. Der bei manchen Kollegen verpönte Liveview zeigte mir zu meiner Freude, dass der Bildausschnitt perfekt passte. Ich schielte vorsichtig auf den Bildschirm. Mit der Lupenfunktion konnte ich problemlos auf die Augen des Gegenüber scharf stellen. Ich mag die moderne Technik! Dann musste ich das Ganze nur noch mit dem Knie leicht ausbalancieren, kurz stillhalten und … Klick!

Und vor allem wegen solcher kleinen Momente mag ich Konferenzen …

Kleiner Teaser: das nächste Mal gibt es voraussichtlich ein wenig Reisefotografie… bis dahin: gut Licht!

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Über fotobetrachtungen

Knipste immer schon. Fotografiert seit 2010. Bloggt seit 2014.
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Eine Antwort zu Liveview-Knipser oder Warum ich Konferenzen mag

  1. MoMa schreibt:

    so nun bin ich hier auf diesen Blog gekommen durch eingeben und suchen nach Fotografie. Es gefällt mir, es ist etwas was mir fehlt, so eine Beschreibung zu lesen. Tolle Idee und interessant! Ich freue mich auf weitere Einträge.

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